
Die Schlei ist kein klassischer Fluss, sondern eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne, eine sogenannte glaziale Rinne. Sie erstreckt sich über 42 Kilometer von der Stadt Schleswig im Landesinneren bis zu ihrer Mündung, der Schleimünde, in die offene Ostsee. Das Gewässer ist ein Brackwasser-Revier, besteht also aus einer Mischung von Süß- und Salzwasser, und weist eine durchschnittliche Tiefe von nur drei Metern auf. Geografisch prägt die Schlei dabei maßgeblich die beiden angrenzenden Landschaften: das nördlich gelegene Angeln sowie die südliche Region Schwansen.
Nahe Schleswig lag einst Haithabu, einer der wichtigsten Handelsplätze der Wikinger in Nordeuropa. Seit 2018 zählt das Areal zum UNESCO-Welterbe. Besucher können den historischen, halbkreisförmigen Verteidigungswall erwandern. Auf dem Gelände innerhalb des Walls wurden sieben Wikingerhäuser und eine Landebrücke originalgetreu rekonstruiert, in denen im Sommer Handwerker das frühere Leben der Nordmänner demonstrieren.
Die Hafenstadt Kappeln ist das touristische Zentrum im östlichen Teil der Schlei. Ein absolutes Unikat befindet sich direkt im Wasser der Schlei-Enge: der Kappelner Heringszaun. Dieses aus Holzpfählen geflochtene Konstrukt stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert und ist heute der letzte noch funktionierende Heringszaun in ganz Europa. Besonders im Frühjahr, wenn die Heringe zum Laichen in die Schlei ziehen, ist die Stadt (und ihr Hafen) stark frequentiert.
Auf einer Halbinsel mitten in der Schlei liegt Arnis. Der Ort zählt lediglich rund 300 Einwohner und gilt damit offiziell als die kleinste Stadt Deutschlands. Es gibt hier keinen Durchgangsverkehr. Das Ortsbild wird von alten Fischerhäusern mit Linden-Alleen, kleinen Werften und vier Yachthäfen geprägt. Arnis ist vom Südufer (Schwansen) aus mit einer kleinen motorisierten Seilfähre erreichbar.
Am innersten Ende der Schlei in der Stadt Schleswig liegt das barocke Schloss Gottorf auf einer eigenen kleinen Insel. Es ist das größte Schloss in Schleswig-Holstein und beherbergt heute zwei Landesmuseen. Zu den wichtigsten Exponaten zählen die Moorleichen von Windeby sowie das Nydam-Boot, ein über 1.600 Jahre altes Ruderboot aus Eichenholz. Nördlich des Schlosses befindet sich zudem ein rekonstruierter terrassenförmiger Barockgarten mit dem begehbaren Gottorfer Globus.
Die Region ist kulinarisch stark durch den Schlei-Hering und die umliegende Landwirtschaft geprägt. Neben den frischen Fischbrötchen am Kutter finden Sie hier viele traditionelle Lokale:

Die Unterkünfte entlang der 42 Kilometer langen Schlei-Küste sind meist ländlich und naturnah geprägt. Anstelle von großen Hotelkomplexen finden Gäste hier in den Dörfern (wie Brodersby, Rieseby oder Ulsnis) viele liebevoll restaurierte Reetdachkaten und alte Gutsgehöfte. In den urbaneren Zentren wie Schleswig oder Kappeln dominieren moderne Hafen-Apartments, die durch die schmale Form der Schlei häufig direkten Wasserblick bieten.
Die Schlei ist aufgrund ihrer geschützten Lage im Binnenland und der komplett fehlenden Brandung ein äußerst sicheres Gewässer für Familien. Entlang der 42 Kilometer langen Uferlinie finden sich zahlreiche kleine Naturbadestellen (wie in Weseby oder Borgwedel), an denen das Wasser sehr flach abfällt und sich im Sommer schnell erwärmt.
Tipp für Familien: Für einen spannenden Tagesausflug abseits des Wassers und des Wikinger-Museums sorgt die Tolk-Schau nahe Schleswig. Dieser weitläufige Familien-Freizeitpark bietet neben klassischen Fahrgeschäften und einem Hirschpark auch eine beeindruckende Dinosaurier-Ausstellung im „Tal der Dinosaurier“.
Das leicht hügelige Umland der Schlei, das sich im Mai durch die Rapsblüte in ein leuchtend gelbes Farbenmeer verwandelt, eignet sich hervorragend für ausgedehnte Rad- und Wandertouren zu zweit. Die gesamte Region ist infrastrukturell exzellent angebunden und wird unter anderem vom gut ausgeschilderten Ostseeküsten-Radweg durchzogen.
Tipp für Paare: Ein besonderes Erlebnis auf einer Radtour ist es, die Gewässerüberquerung abseits der wenigen Brücken zu planen. Nutzen Sie stattdessen die kleinen, seilgeführten historischen Motorfähren (wie in Missunde oder Arnis), um direkt vom nördlichen Ufer (Angeln) auf die südliche Seite (Schwansen) überzusetzen.
Die naturbelassenen Uferstreifen und ländlichen Feldwege rund um die Schlei bieten ideale Bedingungen für ungestörte Spaziergänge abseits des großen Massentourismus. Zudem sind die Vermieter in den ruhigen Schlei-Dörfern gut auf Vierbeiner eingestellt und bieten oft ländliche Unterkünfte mit eingezäunten Grundstücken an.
Tipp für Hundehalter: Da die Schlei vorwiegend über schmale Grünstrände verfügt, empfiehlt sich für einen klassischen Strandtag mit dem Hund ein kurzer Ausflug an die offene Ostsee. Der Weidefelder Strand (nahe Kappeln) bietet feinen Sand, echtes Meereswasser und verfügt über einen großen, explizit ausgewiesenen Hundestrand-Abschnitt zum Toben.
Die Schlei-Region ist logistisch äußerst komfortabel zu erreichen, da sie direkt südlich der dänischen Grenze liegt.
Für Autofahrer aus Richtung Hamburg ist die Bundesautobahn A7 die Hauptschlagader. Um an das innere Ende der Schlei (Schleswig, Busdorf) zu gelangen, nutzen Sie die Abfahrt Schleswig/Schuby. Wenn Ihr Ziel eher im östlichen Bereich (Richtung Kappeln oder Maasholm) liegt, führt der Küstenweg über die A7, Abfahrt Rendsburg/Büdelsdorf, und anschließend über die gut ausgebaute Bundesstraße B203 direkt an die Schlei-Dörfer.
Für Bahnreisende ist der Bahnhof Schleswig der zentrale Knotenpunkt, der regelmäßig vom Intercity (IC) und Regionalzügen (RE) aus Hamburg angefahren wird. Von hier aus verkehren Linienbusse entlang beider Schleiufer (Angeln im Norden, Schwansen im Süden) bis nach Kappeln.