
Ostfriesland im Nordwesten Niedersachsens umfasst neben der Küstenlinie und den vorgelagerten Inseln auch ein weites Binnenland mit den Landkreisen Aurich, Leer, Wittmund und der Seehafenstadt Emden. Die Region punktet mit extrem flacher Geografie, traditioneller Backsteinarchitektur und der direkten Nähe zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer.
Zweimal täglich fällt das Meerwasser ab und legt den Meeresboden, das Watt, frei. Dieses Gebiet lässt sich bei Ebbe hervorragend erwandern. Von Küstenorten wie Neßmersiel, Harlesiel oder Norddeich starten staatlich geprüfte Wattführer mit Gästen in den Schlick. Eine Besonderheit: Von Neßmersiel aus ist es möglich, bei Niedrigwasser vollständig zu Fuß durch das Watt bis auf die Insel Baltrum zu wandern.
Der Küste sind die Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog direkt vorgelagert (Wangerooge gehört geografisch dazu, politisch jedoch zum Oldenburger Land). Jede Insel hat ein strenges Profil: Während Norderney über urbane Architektur und Autoverkehr verfügt, sind Juist, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog komplett autofrei – hier übernehmen Pferdekutschen und Elektrokarren die Logistik. Fähren verkehren täglich ab Festland-Häfen wie Norddeich Mole, Bensersiel oder Neuharlingersiel.
Mitten in der ostfriesischen Gemeinde Hinte (nördlich von Emden) steht ein Bauwerk mit offiziellem Guinness-Weltrekord: Der Kirchturm von Suurhusen aus dem 15. Jahrhundert. Da er einst auf Eichenstämmen im Sumpfgebiet gebaut wurde, senkte sich das Fundament durch Grundwasserentzug ab. Mit einer Neigung von über 5 Grad ist er nachweislich schiefer als der berühmte Turm von Pisa und heute ein faszinierendes Fotomotiv.
Ostfriesen trinken jährlich rund 300 Liter Schwarztee pro Kopf – Weltrekord. Marken wie Bünting oder Thiele haben hier ihren Ursprung. Die Teezeremonie folgt klaren Regeln: Zuerst kommt ein großes Stück weißer Kandis („Kluntje“) in die Tasse, dann der heiße Tee, und zuletzt wird mit einem speziellen Löffel ein Tropfen Sahne („Wulkje“) am Tassenrand abgelegt. Umgerührt wird nicht. Diese Kultur lässt sich in zahllosen Teestuben (z.B. in Greetsiel) oder im Ostfriesischen Teemuseum in Norden erleben.
Die ostfriesische Küche reicht von fangfrischem Nordseefisch (Matjes, Scholle) bis zu deftigen Fleischgerichten im Binnenland wie dem „Snirtjebraten“ (geschmorter Schweinenacken). Notieren Sie sich diese überregional bekannten Restaurants für Ihren Aufenthalt:

Die Bandbreite an Unterkünften ist in Ostfriesland enorm. Wer direkt auf den Inseln (wie Borkum oder Langeoog) oder in zentralen Küstenorten (wie Norddeich) urlaubt, findet meist strandnahe, moderne Apartments. Wer sich für das Binnenland – etwa Regionen wie das Südbrookmerland, Holtriem oder die Krummhörn – entscheidet, wohnt häufig in geräumigen, restaurierten Friesenhäusern mit rotem Klinker, Reetdächern und weiten Gärten, die absolute Ruhe versprechen.
Die Küstenorte in Ostfriesland bieten durch das flach abfallende Wattenmeer und die geschützten Grün- und Sandstrände sichere Badebedingungen für Familien mit kleineren Kindern. Abseits des Wassers verfügt die Region zudem über eine dichte Infrastruktur an wetterunabhängigen Bildungs- und Freizeitangeboten.
Tipp für Familien: Die Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich ermöglicht es Gästen, bei der professionellen Pflege von verwaisten Heulern zuzusehen. Für regnerische Tage bietet sich eine kurze Autofahrt ins Binnenland zum Energie-, Bildungs- und Erlebnis-Zentrum (EEZ) in Aurich an, das interaktive Experimentierstationen rund um das Thema Windkraft bereithält.
Ostfriesland kombiniert eine weite, völlig steigungsfreie Landschaft mit der maritimen Infrastruktur zertifizierter Nordseebäder. Das gut ausgebaute Wegenetz direkt hinter dem Deich und die entspannte Atmosphäre im Binnenland bieten ideale Voraussetzungen für einen ruhigen Urlaub zu zweit.
Tipp für Paare: Erkunden Sie die Küste mit dem Fahrrad über das ostfriesische „Knotenpunktsystem“, bei dem Sie sich ganz unkompliziert von Ziffer zu Ziffer navigieren lassen können. Für die Regeneration nach der Tour eignen sich die professionellen Thalasso-Zentren der Region (wie das Badehaus Norderney), die bei ihren Wellness-Behandlungen gezielt auf regionales Meerwasser und Schlick setzen.
Die weite Landschaft Ostfrieslands eignet sich gut für den Urlaub mit Hund, erfordert durch die direkte Lage am Nationalpark jedoch die Einhaltung des Küstenschutzes. Auf allen Deichen weiden ganzjährig Schafe zur Bodenbefestigung, weshalb hier und im gesamten Wattenmeer eine strikte, absolute Leinenpflicht gilt.
Tipp für Hundehalter: Um den Hunden dennoch Freilauf am Wasser zu ermöglichen, haben viele Küstenorte spezielle Strandabschnitte eingerichtet. Besonders hervorzuheben ist der ausgewiesene Hundestrand in Neßmersiel, der zusätzlich über einen abgetrennten Fun-Agility-Park verfügt, in dem Hunde ohne Leine trainieren und toben dürfen.
Die Anreise mit dem Pkw aus südlicher Richtung oder dem Ruhrgebiet erfolgt fast ausschließlich über die Autobahn A31 (oft als „Ostfriesenspieß“ bezeichnet), die bis nach Emden führt. Aus dem Osten gelangt man über Bremen via A28 in die Region.
Mit der Deutschen Bahn (Intercity) können Urlauber komfortabel und ohne Umstieg bis an die Bahnhöfe in Leer, Emden, Norden oder direkt an den Fähranleger „Norddeich Mole“ reisen.
Wichtig für Insel-Urlauber: Wenn Sie eine Fähre nach Borkum oder Norderney buchen, fahren diese tideunabhängig nach festem Plan. Fähren nach Juist, Baltrum, Spiekeroog oder Wangerooge können jedoch nur bei Flut fahren. Die Fahrpläne ändern sich hier täglich je nach Wasserstand – prüfen Sie die Abfahrtszeiten deshalb im Vorfeld tagesaktuell!